Fazit: Vietnam

Mit der Ausreise aus Vietnam ist unser nächstes Fazit an der Reihe. Nach den sehr schönen Eindrücken aus Myanmar, Thailand und Laos haben wir in Vietnam einige nicht so schöne Erfahrungen gemacht. Nicht falsch verstehen – Vietnam ist sicherlich ein schönes Land und viele Reisende haben uns von tollen Orten und Begegnungen berichtet.

Auch wir haben viele nette Menschen getroffen. Insgesamt hatten wir aber eher den Eindruck, dass die Menschen in Vietnam im Vergleich etwas weniger freundlich waren als in den anderen von uns bereisten Ländern. In keinem anderen Land hatten wir mehr das Gefühl, dass man Touristen gerne übers Ohr haut, das doppelte oder dreifache vom lokalen Preis nimmt und sich dann gemeinsam mit anderen Einheimischen an der Abzocke bzw. Verarsche von Touristen erfreut.

Einige Beispiele: Man betritt ein Restaurant und wird einfach komplett ignoriert. An einem anderen Straßenstand wurde unsere Anfrage nur mit einem Lachen quittiert und hinterher dann mit der Familie getuschelt. Als wir ein anderes Mal in einer Bar saßen, kam eine Frau mit Krabbenchips des Weges und Julia kaufte eine Tüte. Allerdings gab die Frau uns nicht wie vorher vereinbart Wechselgeld, sondern knallte uns im Weggehen eine zweite Tüte auf den Tisch. In einem Essens-Markt wurde eine alte Frau wütend, weil wir ihre Produkte nicht kaufen wollten. Sie schaute uns böse hinterher, rief ihren Kolleginnen etwas zu und äffte uns nach. Am letzten Tag in Hoi An sahen wir einen Vietnamesen auf einem Wasserbüffel, der uns heranwinkte. Julia freute sich und ging zum Wasserbüffel. Als Julia nicht auf dem Wasserbüffel reiten wollte und der Mann kein Geschäft machen konnte, schubste und schlug er Julia einfach weg. In einem Restaurant in Saigon stellte man uns zu unserem bestellten Essen einen weiteren Teller mit etwas zu Essen hin – dies ist oft der Fall und noch nie sollten wir für etwas bezahlen, was wir nicht bestellt hatten. Doch hier sollten wir auf einmal diesen Teller bezahlen.

Auch mit einem Taxi hatten wir das erste Mal auf unser Reise eine schlechte Erfahrung. Auf Phu Quoc fragten wir vor einer Fahrt nach einem Fixpreis und zeigten mehrmals das Geld bzw. wiederholten unser Anliegen, der Mann gab uns zu verstehen, dass er verstanden hatte – und dann fuhren wir doch mit Meter und zahlten letztendlich das Doppelte.

Wir könnten noch mehr aufzählen. Es kann natürlich auch sein, dass sich unser Blickwinkel auf Dinge in diesem Land mit der Zeit geändert hat. Wir scheinen allerdings nicht die einzigen mit schlechten Erfahrungen in Vietnam zu sein. Nur etwa 5% der Touristen kehren nach Vietnam zurück (zum Vergleich: In Thailand sind es 50%) und es gibt Blogeinträge wie „Why I’ll never return to Vietnam“ oder wütende Forendiskussionen über den gelben Bus von Danang nach Hoi An, bei dem Touristen den dreifachen Preis gegenüber „Locals“ zahlen sollen.

Nunja, vielleicht hatten wir auch einfach nur Pech mit Vietnam. Nach unser Landung in Hanoi hatten wir das erste Mal auf unser Reise schlechtes Wetter – es war 10 Grad kälter als davor und hat dann über eine Woche lang immer wieder mal geregnet. Außerdem war unser gebuchtes Hotel überbucht und man steckte uns zum gleichen, bereits bezahlten Preis in ein weniger gutes Hotel (was wohl in Hanoi öfters vorkommt und eine Art Scam ist). Hanoi selbst war uns ja auch einfach zu hektisch und Hue bei Regen nur halb so hübsch.

Wie oben schon geschrieben, hatten wir natürlich auch tolle Erfahrungen in Vietnam. Die Stadt Hoi An ist wunderschön, die Halong-Bucht sowieso und auch die Insel Phu Quoc ist allemal eine Reise wert. Landschaftlich gehörte Vietnam zu den schönsten Ländern unserer Reise. Gerade im ländlichen Bereich gab es zudem viele nette Menschen, die uns ein Hallo zu riefen und uns ein Lächeln schenkten – ohne dass sie uns etwas verkaufen wollten. Bei zwei Homestays (= eher kleinere Hotels, bei der man mit der Familie zusammenwohnt) hatten wir zwei sehr bemühte Gastgeber. Geschmackstechnisch fanden wir die Suppen im Land sehr lecker und die Frühlingsrollen am Leckersten – überall im Land gab es diese kleinen und frisch zubereitenden Rollen. Die werden wir zu Hause auch mal nachkochen!

Das ist alles wie gesagt nur unsere persönliche Erfahrung. Natürlich können wir in etwa 2 Wochen in einem Land nur die Oberfläche einer Kultur kennenlernen. Unsere (naiven?) Fazits sind unsere persönlichen, subjektiven Gedanken – nicht mehr und nicht weniger. Wir haben nicht das ganze Land kennengelernt und unsere Eindrücke basieren auf flüchtigen Begegnungen. Andere Reisende haben berichtet, dass sie Vietnam und die Menschen darin sehr nett fanden. Wir dagegen haben uns halt in den zwei Wochen im Land nie so wirklich heimelig gefühlt – das kann passieren. Nun freuen wir uns jedenfalls auf Kambodscha.

3 Gedanken zu „Fazit: Vietnam

  • 19. April 2016 um 10:37
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    Hallo ihr beiden,
    ich verstehe eure Meinung ueber Vietnam. Ich bin selber Vietnamese und mag es nicht wie die Strassenverkaeufer, Taxifahrer, Kellner usw mit den Toursiten und auch Vietnamesen umgehen.
    Diese Menschengruppe macht den Ruf des Landes kaputt. Die sind eben unerzogen, arm und halbgierig.

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    • 21. April 2016 um 12:26
      Permalink

      Hallo Tuan,

      danke dir für deine Worte und dein Verständnis! Trotz allem: Wir sind froh, dass wir auch viele nette Begegnungen hatten und unsere Erfahrungen waren auch, dass die jüngeren Menschen bereits anders mit Touristen umgehen.

      LG aus Berlin!

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